Vision "Junges Wohnen Gmund" vorgestellt
Mit den Worten „Ihr seid alle Mutmacher“ begrüßte Erster Bürgermeister Alfons Besel Ende Juni rund 25 Vertreterinnen und Vertreter der Gmunder Gewerbebetriebe zum Austausch im Neureuthersaal. Er betonte dabei, dass es trotz der derzeit herausfordernden wirtschaftlichen Lage viele positive Entwicklungen und engagierte Menschen in Gmund gebe – in Schulen, Vereinen, Arbeitskreisen und insbesondere auch in den Unternehmen. Er würdigte die Gewerbetreibenden als Innovationsgeber mit großem wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Potenzial und lud ein, „selbstbewusst miteinander neue Wege zu gehen.“ Neben Unternehmerinnen und Unternehmern verschiedenster Branchen nahmen auch Alexander Schmid von der Regionalentwicklung Oberland (REO), Florian Zibert vom Hotel Blyb und Architektin und Baukulturbeauftragte Carolin Mayer-Nowak teil.
Zunächst stellte Alexander Schmid die Ergebnisse einer Unternehmensbefragung der Regionalentwicklung Oberland zum Thema Fachkräftewohnen vor. Die Umfrage zeigt, dass rund 80 Prozent der befragten Betriebe zumindest gelegentlich Schwierigkeiten haben, Fachkräfte aufgrund fehlenden Wohnraums zu gewinnen. Schmid betonte: „Die wirtschaftliche Lage stellt viele Unternehmen derzeit vor große Herausforderungen. Gerade deshalb ist jetzt vielleicht der richtige Zeitpunkt, Zukunftsthemen neu zu denken. Bezahlbarer Wohnraum bleibt eines der drängendsten Themen im Landkreis und entscheidet zunehmend über die Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen. Die spannende Frage ist: Sind Unternehmen bereit, gemeinsam mit den Kommunen in neue Wohnmodelle zu investieren? Diese Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln, wird ein wichtiger Schlüssel für die Zukunft unserer Region sein.“
Dann folgte die Vorstellung der Projektidee „Junges Wohnen Gmund“ von Florian Zibert, alias „Floko“. Seine Motivation sei es, jungen Menschen Perspektiven zu bieten: „Wir verlieren die jungen Leute, wenn wir keine Möglichkeiten für sie schaffen.“ Und so stellte er seine Vision einer Wohngemeinschaft für rund 20 junge Erwachsene in schulischer oder beruflicher Ausbildung vor. Geplant wäre ein Gebäude von etwa 30 mal 10 Meter - mit privaten Rückzugsräumen von jeweils rund neun Quadratmetern sowie großzügigen Gemeinschaftsflächen. Ziel ist eine monatliche „All-In“-Miete von etwa 300 bis 400 Euro. Das angedachte Grundstück für das Projekt befindet sich westlich des Bahnhofs und könnte zu besonders guten Konditionen (niedriger Erbpachtzins) von der Gemeinde eingebracht werden. Das Projekt soll in einer gemeinnützigen Eigentümerstruktur ohne Renditeerwartung umgesetzt werden und langfristig den Ausbildungs- und Wirtschaftsstandort Gmund stärken.
In der anschließenden Diskussionsrunde wurden zahlreiche Fragen und Anregungen eingebracht. Diskutiert wurde unter anderem, wie attraktiv die vergleichsweise kleinen Wohnräume für junge Menschen seien und welchen Nutzen die beteiligten Betriebe daraus ziehen würden. Auch Anregungen zur Weiterentwicklung wurden aufgenommen. So wurde etwa die Schaffung von Wohnungen für Paare vorgeschlagen. Realschulleiter Tobias Schreiner schilderte die schwierige Wohnungssituation seiner Referendarinnen und Referendare und bestätigte den Bedarf an bezahlbarem Wohnraum. Herbert Kozemko steht als Mitglied des Gmunder Gemeinderats ebenfalls hinter dem Projekt, machte gleichzeitig aber auf die Herausforderungen bei einer Teil-Finanzierung mit Förderprogrammen aufmerksam.
Zum Abschluss motivierte Florian Zibert nochmals dafür gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten neue Wege zu gehen: Gmund sei „der coolste Ort am See“ und biete großes Potenzial für innovative Ideen und gemeinsame Entwicklungen. Wer Interesse hat, an dem Projekt mitzuwirken, meldet sich gerne per Email an floko@blyb.co.